Moderne Nahtmaterialien in der Plastischen Chirurgie

Eine schöne Narbe entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren – insbesondere die Wahl des richtigen Nahtmaterials. Ein Überblick über die hochwertigen Materialien, die bei meinen Operationen zum Einsatz kommen.

Warum die Wahl des Nahtmaterials entscheidend ist

Eine schöne Narbe entsteht nicht nur durch eine präzise Operationstechnik, sondern durch das Zusammenspiel vieler Faktoren: die individuelle Wundheilung, die Spannung auf der Haut, die Nachbehandlung und insbesondere die Wahl des richtigen Nahtmaterials.

In der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie werden höchste Anforderungen an Nahtmaterialien gestellt. Ziel ist es, die Wundränder optimal zu adaptieren, eine stabile Heilung zu ermöglichen und gleichzeitig ein möglichst unauffälliges Narbenbild zu erreichen.

Bei meinen Operationen kommen je nach Eingriff und Gewebeschicht unterschiedliche hochwertige Nahtmaterialien der Firma Ethicon zum Einsatz. Die Auswahl richtet sich nach der jeweiligen anatomischen Region, der erforderlichen Stabilität und der gewünschten Heilungsdauer.

Welche Arten von Nahtmaterialien gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Gruppen:

Resorbierbare Nahtmaterialien

Diese Fäden werden vom Körper im Laufe der Zeit selbstständig abgebaut. Eine Entfernung ist nicht notwendig. Sie werden häufig für tieferliegende Gewebeschichten verwendet, beispielsweise zur Stabilisierung von Unterhaut, Fettgewebe oder Faszien.

Nicht resorbierbare Nahtmaterialien

Diese Fäden bleiben dauerhaft im Körper oder müssen nach der Wundheilung entfernt werden. Sie werden vor allem eingesetzt, wenn eine langfristige Stabilität erforderlich ist oder wenn die Naht besonders präzise kontrolliert entfernt werden soll.

Prolene® – dauerhafte Stabilität für präzise Hautnähte

Wie ist Prolene aufgebaut?

Prolene® (Polypropylen) ist ein synthetisches, nicht resorbierbares, monofiles Nahtmaterial. „Monofil" bedeutet, dass der Faden aus einem einzigen glatten Strang besteht. Dadurch besitzt Prolene® eine sehr geringe Gewebereaktion und gleitet besonders gut durch das Gewebe.

Löst sich Prolene auf?

Nein. Prolene® wird vom Körper nicht abgebaut und bleibt dauerhaft stabil.

Wann muss Prolene entfernt werden?

Bei Hautnähten wird Prolene® üblicherweise nach Abschluss der oberflächlichen Wundheilung entfernt. Der Zeitpunkt hängt von der Körperregion ab:

  • Gesicht: meist nach etwa 5–7 Tagen
  • Brustbereich: häufig nach etwa 7–14 Tagen
  • Körperregionen mit höherer Spannung: teilweise später

Die genaue Entfernung erfolgt individuell nach Beurteilung der Wundheilung.

Wo kommt Prolene zum Einsatz?

Prolene® wird häufig eingesetzt bei:

  • präzisen Hautnähten in der Plastischen Chirurgie
  • Narbenkorrekturen
  • Gesichtseingriffen
  • rekonstruktiven Eingriffen
  • Bereichen, in denen eine möglichst geringe Gewebereaktion erwünscht ist

Durch die glatte Oberfläche entstehen häufig sehr schöne Narbenverläufe.

Welche Vorteile bietet Prolene?

  • geringe Entzündungsreaktion
  • hohe Reißfestigkeit
  • sehr gute Gleitfähigkeit
  • präzise Nahtführung
  • gute Kontrolle durch geplante Entfernung
  • bei Stärke 6-0 oder feiner ist der Stichkanal nicht mehr sichtbar, wenn die Fäden zeitgerecht entfernt werden

Welche Komplikationen können auftreten?

  • lokale Rötung oder Reizung
  • kleine Fadenreaktionen
  • verzögerte Entfernung bei eingewachsenen Fäden
  • selten Infektionen entlang des Stichkanals

Eine sorgfältige Nachkontrolle reduziert diese Risiken.

Monocryl® – feine resorbierbare Hautnaht

Wie ist Monocryl aufgebaut?

Monocryl® (Poliglecapron 25) ist ein synthetisches, monofiles, resorbierbares Nahtmaterial. Der Faden ist besonders glatt und verursacht nur eine geringe Gewebereaktion.

Löst sich Monocryl auf?

Ja. Monocryl® wird vom Körper vollständig abgebaut. Die Reißfestigkeit nimmt jedoch bereits nach einigen Wochen ab. Typischer Verlauf:

  • nach etwa 1 Woche: noch hohe Stabilität
  • nach 3–4 Wochen: deutlicher Stabilitätsverlust
  • vollständiger Abbau: meist nach etwa 90–120 Tagen

Wann muss Monocryl entfernt werden?

Monocryl® muss normalerweise nicht entfernt werden. Der Faden liegt häufig unter der Haut und wird durch den Körper selbstständig abgebaut. Gelegentlich können kleine Fadenenden an der Hautoberfläche sichtbar werden – diese lassen sich unkompliziert entfernen oder kürzen.

Wo kommt Monocryl zum Einsatz?

Monocryl® wird häufig verwendet bei:

  • Hautverschluss nach ästhetischen Operationen
  • Brustoperationen
  • Bauchdeckenstraffungen
  • Lidoperationen
  • Narbenkorrekturen
  • feinen intrakutanen Hautnähten

Gerade in der ästhetischen Chirurgie ermöglicht Monocryl häufig sehr schöne, unauffällige Narben.

Welche Vorteile bietet Monocryl?

  • keine Fadenentfernung notwendig
  • geringe Gewebereaktion
  • glatte Oberfläche
  • gute kosmetische Ergebnisse
  • angenehmer Heilungsverlauf

Welche Komplikationen können auftreten?

  • kleine Fadenknötchen unter der Haut
  • verzögerte Auflösung einzelner Fadenanteile
  • sterile Entzündungsreaktionen
  • selten Fadengranulome

Vicryl® – zuverlässige Stabilität für tiefere Gewebeschichten

Wie ist Vicryl aufgebaut?

Vicryl® (Polyglactin 910) ist ein synthetisches, geflochtenes, resorbierbares Nahtmaterial. Durch die geflochtene Struktur besitzt Vicryl® eine hohe Knotensicherheit und gute Handhabung.

Löst sich Vicryl auf?

Ja. Vicryl® wird durch körpereigene Prozesse vollständig abgebaut. Die Stabilität nimmt kontinuierlich ab:

  • nach etwa 2–3 Wochen beginnt der deutliche Stabilitätsverlust
  • nach etwa 56–70 Tagen ist der Faden weitgehend resorbiert

Wann muss Vicryl entfernt werden?

Vicryl® muss normalerweise nicht entfernt werden. Es wird vor allem in tieferen Gewebeschichten verwendet.

Wo kommt Vicryl zum Einsatz?

Vicryl® wird häufig eingesetzt für:

  • Unterhautnähte
  • Fixierung von Gewebeschichten
  • Brustchirurgie
  • Bauchdeckenstraffungen
  • Körperstraffungen
  • rekonstruktive Eingriffe

Welche Vorteile bietet Vicryl?

  • sehr gute Knotensicherheit
  • zuverlässige Stabilisierung während der Heilungsphase
  • bewährtes Material seit vielen Jahren
  • vielseitig einsetzbar

Welche Komplikationen können auftreten?

Da Vicryl geflochten ist, kann die Gewebereaktion etwas stärker sein als bei monofilen Materialien. Mögliche Komplikationen:

  • tastbare Fadenknoten
  • sterile Fadenreaktionen
  • kleine Fadengranulome
  • selten lokale Entzündungen
  • gelegentlich „Suture Spitting" (Herausdrücken der Vicryl-Knoten durch den Körper)

Bei Suture Spitting („Faden-Spucken") löst der Körper den Vicryl-Faden nicht schnell genug auf, sodass sich dieser durch die Wunde drückt. Es entsteht eine Art Pickel, der mit Wundwasser aufgeht – es handelt sich dabei nicht um Eiter. Der Faden kann einfach durch Ihren behandelnden Chirurgen entfernt und die kleine Wunde versorgt werden.

PDS® – langfristige Stabilität bei anspruchsvollen Eingriffen

Wie ist PDS aufgebaut?

PDS® (Polydioxanon) ist ein synthetisches, monofiles, resorbierbares Nahtmaterial. Es zeichnet sich durch eine besonders lange Haltbarkeit und langsame Auflösung aus.

Löst sich PDS auf?

Ja. PDS® wird vollständig vom Körper abgebaut – jedoch deutlich langsamer als Vicryl® oder Monocryl®. Typischer Verlauf:

  • hält seine Stabilität über mehrere Wochen
  • vollständiger Abbau nach etwa 180–210 Tagen

Wann muss PDS entfernt werden?

PDS® muss normalerweise nicht entfernt werden. Es wird bevorzugt dort eingesetzt, wo Gewebe über längere Zeit Unterstützung benötigt.

Wo kommt PDS zum Einsatz?

PDS® wird häufig verwendet bei:

  • Bauchdeckenstraffungen
  • Fasziennähten
  • Rektusdiastasen-Korrekturen
  • komplexen rekonstruktiven Eingriffen
  • Bereichen mit höherer mechanischer Belastung

Welche Vorteile bietet PDS?

  • lange Stabilität
  • geringe Gewebereaktion
  • monofile Struktur
  • gute Unterstützung während der Heilungsphase

Welche Komplikationen können auftreten?

  • tastbare Fadenanteile während der Abbauphase
  • selten Fadenreaktionen
  • verzögerte Resorption bei individuellen Faktoren

Was muss ich nach einer Operation mit Nahtmaterial beachten?

Unabhängig vom verwendeten Nahtmaterial gibt es wichtige Regeln für eine optimale Wundheilung:

  • Wunde sauber und trocken halten
  • Verbandwechsel nach ärztlicher Empfehlung durchführen
  • nicht an sichtbaren Fäden ziehen
  • körperliche Belastung entsprechend der Operation reduzieren
  • direkte Sonneneinstrahlung auf frische Narben vermeiden
  • konsequente Narbenpflege nach vollständigem Wundverschluss durchführen

Haben Sie Fragen zur Nachsorge oder zu Ihrem Eingriff? Ich berate Sie gerne persönlich.

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