Individuellere Techniken bei Botulinumtoxin, Lippenlift und Lidstraffung
Vier neue Studien beschreiben verfeinerte Injektionstechniken für Hals und Kaumuskel, eine strukturelle Methode beim Lippenlift und den Effekt eines Kompressionsverbands nach Oberlidstraffung.
Mehrere aktuelle Arbeiten aus dermatologischen und plastisch-chirurgischen Fachzeitschriften befassen sich mit der Verfeinerung etablierter Verfahren der Gesichtsästhetik: der gezielteren Dosierung von Botulinumtoxin an Hals und Kiefer, einer strukturellen statt rein hautbasierten Technik beim Lippenlift sowie der Frage, ob ein einfacher Kompressionsverband nach einer Lidstraffung messbare Vorteile bringt.
Botulinumtoxin am Hals: individuell statt schematisch
Der Platysma-Muskel, ein flächiger Halsmuskel, trägt durch seinen nach unten ziehenden Zug wesentlich zu Bandbildungen und Konturveränderungen im unteren Gesichts- und Halsbereich bei. Bisherige Injektionsschemata mit Botulinumtoxin folgen oft festen anatomischen Rastern oder höheren Dosierungen, was das Nebenwirkungsrisiko erhöhen kann. In einer retrospektiven Studie an einer dermatologischen Ambulanz wurden 44 Personen, die erstmals eine Platysma-Behandlung erhielten, mit einem individualisierten Ansatz behandelt: Die Injektionsstellen wurden anhand der Muskelanspannung in Bewegung und wichtiger Ansatzpunkte bestimmt, die Gesamtdosis auf 30 Einheiten begrenzt, im Schnitt wurden 29,6 Einheiten verwendet. Sowohl verblindete Beurteilerinnen und Beurteiler als auch die Patientinnen und Patienten selbst bewerteten das Ergebnis mehrheitlich als deutlich verbessert, ohne einen einzigen Fall von ausbleibender Wirkung oder Verschlechterung. Nach sechs Monaten hielt die Wirkung bei 84 Prozent noch an, unerwünschte Wirkungen traten keine auf.
Botulinumtoxin gegen einen breiten Unterkiefer
Eine vergrößerte Kaumuskulatur, die sogenannte Masseter-Hypertrophie, trägt insbesondere in asiatischen Bevölkerungsgruppen häufig zu einer breiteren Unterkieferkontur bei und wird ebenfalls oft mit Botulinumtoxin behandelt. Herkömmliche Techniken mit mehreren Einstichpunkten können zu ungleichmäßiger Verteilung, einem paradoxen Hervortreten des Muskels, eingefallenen Wangen oder einer asymmetrischen Mimik beim Lächeln führen. Eine retrospektive Studie beschreibt die sogenannte Fanning-Deep-Injection-Technik, bei der über einen einzigen Einstichpunkt ein fächerförmiges Muster in den unteren, tiefen Anteil des Kaumuskels appliziert wird. Von 6.520 mit Botulinumtoxin behandelten Personen erfüllten 239 die Einschlusskriterien für die Auswertung, darunter standardisierte Fotos über mindestens drei Monate und vollständige Unterlagen. Bei ihnen zeigte sich über alle drei gemessenen horizontalen Referenzlinien im Gesicht eine signifikante Reduktion der Gesichtsbreite, am stärksten in Höhe der Mundwinkel. Die Behandlung wurde als wenig schmerzhaft empfunden, die Zufriedenheit war hoch. Bei zwei von 239 Behandelten, also 0,8 Prozent, kam es zu einer vorübergehenden, von selbst abklingenden Vorwölbung; klinisch bedeutsame Wangeneinfälle, dauerhafte Asymmetrien beim Lächeln oder eine behandlungsbedürftige Kauschwäche wurden im verfügbaren Nachbeobachtungszeitraum nicht beobachtet.
Struktur statt reiner Hautstraffung beim Lippenlift
Die Alterung der Oberlippe zeigt sich nicht nur durch Volumenverlust, sondern auch durch erschlaffendes Gewebe, eine Verlängerung der Lippenhaut und ein Zurücktreten des sichtbaren Lippenrots. Rein auf die Haut beschränkte Lippenlift-Techniken adressieren diese strukturellen Veränderungen nur unvollständig und können bei zu starker Spannung des Hautverschlusses zu ungünstigen Narben führen. Eine retrospektive Auswertung an 600 Patientinnen, die zwischen 2020 und 2024 mit einer auf das darunterliegende Bindegewebe, das sogenannte SMAS, einwirkenden Technik behandelt wurden – wahlweise Raffung oder Teilentfernung, je nach Lippenvolumen und Gewebebeschaffenheit –, zeigte bei einer mittleren Nachbeobachtung von 14,6 Monaten überwiegend zufriedenstellende ästhetische Ergebnisse. Eine leichte Narbenerhabenheit trat bei 11 der 600 Patientinnen auf und ließ sich mit fraktionierter CO2-Lasertherapie erfolgreich behandeln; eine operative Revision war in keinem Fall nötig.
Kompressionsverband nach Oberlidstraffung
Ob ein einfacher Druckverband nach einer Oberlidstraffung, einer Blepharoplastik, die Erholung beschleunigt, wurde in einer randomisierten, beobachterverblindeten Studie an 56 Patientinnen und Patienten untersucht, bei denen jeweils ein Augenlid einen Kompressionsverband erhielt und das andere unbehandelt blieb. Am ersten Tag nach der Operation waren Blutergüsse auf der verbundenen Seite statistisch signifikant geringer ausgeprägt – dieser Unterschied blieb auch nach statistischer Korrektur für die Mehrfachtestung bestehen. Auch Schwellung und ästhetische Bewertung fielen am ersten Tag zugunsten des Kompressionsverbands aus, diese Unterschiede waren jedoch nach der Korrektur nicht mehr statistisch signifikant. Ab dem siebten Tag sowie nach 30 und 90 Tagen fanden sich keine Unterschiede mehr zwischen den Seiten, und auch Hornhautbefunde sowie Schmerzangaben unterschieden sich zu keinem Zeitpunkt.
Was das für die Praxis bedeutet
Alle vier Arbeiten sind retrospektive Fallserien oder, im Fall der Lidstraffung, eine randomisierte Studie mit vergleichsweise kurzer Nachbeobachtungszeit von bis zu drei beziehungsweise zwölf Monaten; Langzeitdaten über mehrere Jahre liegen für keines der beschriebenen Verfahren vor. Gemeinsam ist den Arbeiten zu Botulinumtoxin an Hals und Kiefer der Versuch, mit gezielterer Platzierung und geringerer Dosis Nebenwirkungen zu reduzieren, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen – belegt jeweils an einzelnen, nicht gegen eine Vergleichsgruppe getesteten Kohorten. Die Studie zum Lippenlift deutet darauf hin, dass eine strukturelle statt rein hautbasierte Technik die Narbenbildung günstig beeinflussen kann, während die Ergebnisse zum Kompressionsverband zeigen, dass ein einfaches Hilfsmittel frühe Blutergüsse nachweisbar reduzieren kann, ohne dass sich daraus verlässlich auch ein besseres kosmetisches Endergebnis nach einer Woche oder später ableiten lässt. Für belastbarere Aussagen zu Wirkdauer, Sicherheit im Vergleich zu etablierten Techniken und Übertragbarkeit auf andere Patientengruppen wären größere, kontrollierte und länger nachbeobachtete Studien erforderlich.
Verwendete Fachpublikationen
Grundlage dieses Beitrags sind die folgenden 4 Publikationen (Originalsprachen: Englisch).
- Rosen N, Muhn O: A Practical, Targeted Approach to the Treatment of the Platysma Muscle With Neuromodulator. Dermatol Surg 2026. Englisch
- Qian J, Lu Z, Long X: Fanning Deep Injection of Botulinum Toxin Type-A for Masseter Hypertrophy: A Retrospective Study of 239 Patients. Aesthetic Plast Surg 2026. Englisch
- Ceran F, Askeroglu U, Pilanci O: SMAS Modifications in Subnasal Lip Lifting: Evaluation of 600 Patients. Aesthetic Plast Surg 2026. Englisch
- Poslu Karademir F, Sağdıç Özçelik S, Çetin Efe A et al: The effect of compression dressing on postoperative outcomes after upper eyelid blepharoplasty: a randomized, controlled, observer-blinded evaluation study. Int Ophthalmol 2026. Englisch
Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.
