Brustchirurgie

Fortschritte bei der mikrochirurgischen Brustrekonstruktion mit Eigengewebe

Mehrere aktuelle Arbeiten aus Japan und China untersuchen, wie sich die Durchblutung von Eigengewebelappen bei der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs besser überwachen und absichern lässt.

Eigengewebe statt Implantat: Technik im Wandel

Bei der Brustrekonstruktion nach einer Mastektomie, also der operativen Entfernung der Brust meist im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung, ist der DIEP-Lappen ein etabliertes Verfahren. Dabei werden Haut- und Fettgewebe aus der unteren Bauchregion samt versorgendem Blutgefäß entnommen und mikrochirurgisch an die Brust angeschlossen. Der Erfolg dieser Operation hängt entscheidend von einer zuverlässigen Durchblutung des verpflanzten Gewebes ab. Mehrere aktuelle Arbeiten aus Japan und China beschäftigen sich mit technischen Weiterentwicklungen, die dieses Risiko verringern sollen.

Ein Fallbericht aus Japan beschreibt die erstmalige Anwendung einer endoskopisch unterstützten DIEP-Lappen-Entnahme im Land: Bei einer 46-jährigen Patientin wurde der versorgende Gefäßstiel über eine minimal-invasive endoskopische Technik freipräpariert, wodurch ein 14 Zentimeter langer Gefäßstiel über einen nur 3,5 Zentimeter langen Hautschnitt gewonnen werden konnte. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen, die Patientin konnte am sechsten Tag danach entlassen werden. Die Autor:innen sehen darin eine mögliche Alternative zu roboterassistierten Verfahren, insbesondere für Zentren ohne entsprechende Robotersysteme.

Eine weitere japanische Arbeit untersuchte anhand von 50 Patientinnen einen strukturierten Ablauf für die intraoperative Fluoreszenzangiographie mit dem Farbstoff Indocyaningrün (ICG). Damit lässt sich während der Operation sichtbar machen, welche Bereiche des Lappens ausreichend durchblutet sind. Bei fast der Hälfte der Patientinnen war ein zusätzlicher Gefäßanschluss notwendig; in dieser Gruppe trat nur bei einer von 24 Patientinnen eine umschriebene Fettgewebsnekrose, also ein Absterben von Fettgewebe durch Mangeldurchblutung, auf. Eine chinesische Arbeit mit zehn Patientinnen mit frühem Brustkrebs untersuchte den Anschluss des DIEP-Lappens an innere Brustwandgefäße als Alternative zu den sonst üblichen Anschlussgefäßen; alle zehn Lappen heilten komplikationslos ein, der durchschnittliche BREAST-Q-Zufriedenheitswert, ein standardisierter Fragebogen zur Patientenzufriedenheit, lag bei 93,5 von 100 Punkten.

Eine retrospektive chinesische Auswertung von 97 Eingriffen an Brust und Gliedmaßen prüfte zudem den Einsatz von Infrarot-Wärmebildkameras zur Überwachung der Gewebedurchblutung während und nach der Operation. Die Methode erkannte Durchblutungsstörungen mit hoher Genauigkeit, wobei jeweils ein falsch-positiver und ein falsch-negativer Befund unter den 97 ausgewerteten Fällen dokumentiert wurden.

Einordnung

Alle vorgestellten Arbeiten sind retrospektive Fallserien oder Einzelfallberichte mit vergleichsweise kleinen Patientenzahlen und kurzen Nachbeobachtungszeiträumen; kontrollierte Vergleichsstudien liegen bislang nicht vor. Die Ergebnisse deuten aber übereinstimmend darauf hin, dass verbesserte intraoperative Bildgebungs- und Überwachungsverfahren dazu beitragen können, Durchblutungsprobleme bei der mikrochirurgischen Brustrekonstruktion frühzeitig zu erkennen. Ob sich die beschriebenen Techniken in größeren Vergleichsstudien und im breiteren klinischen Alltag bestätigen, muss weitere Forschung erst zeigen.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.

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