Injektionsstelle von Botulinumtoxin beeinflusst Mundwinkel-Lift
Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigt, dass die untere Injektionsstelle am Mundwinkelabsenker wirksamer ist als die obere und dass eine zusätzliche Platysma-Injektion die Zufriedenheit weiter steigert.
Studiendesign: randomisiert und doppelt verblindet
Ein hängender oder abgesenkter Mundwinkel kann einem Gesicht einen unzufriedenen oder traurigen Ausdruck verleihen und wird von Betroffenen häufig als belastend empfunden. Botulinumtoxin Typ A (BTX-A), ein Wirkstoff, der die Muskelaktivität an der Injektionsstelle vorübergehend reduziert, wird seit Längerem zur Anhebung des Mundwinkels eingesetzt, indem der Muskel, der den Mundwinkel nach unten zieht, gezielt geschwächt wird – der Musculus depressor anguli oris (DAO). Über die optimale Injektionsstelle und -strategie bestand bislang jedoch keine Einigkeit. Eine in der Fachzeitschrift Plastic and Reconstructive Surgery veröffentlichte, zweistufige Studie an einem einzelnen Zentrum ist dieser Frage systematisch nachgegangen. In der ersten Studienstufe wurden Teilnehmende nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Injektionsstellen am DAO-Muskel zugeteilt, wobei weder die Teilnehmenden noch die auswertenden Personen wussten, welche Gruppe welche Behandlung erhalten hatte. In einer zweiten, nicht randomisierten Studienstufe wurde zusätzlich untersucht, ob eine ergänzende Injektion in den Platysma-Muskel, einen breiten, flachen Muskel im Halsbereich, das Ergebnis weiter verbessert.
Gemessene Ergebnisse
Als Hauptzielgrößen erfassten die Autor:innen die Position des Mundwinkels sowie eine mögliche Asymmetrie der Lippen mittels dreidimensionaler Fotogrammetrie, einem Verfahren zur präzisen räumlichen Vermessung der Gesichtsoberfläche. Als weitere Zielgrößen wurden Patientenzufriedenheit, Schmerzempfinden während der Injektion und Nebenwirkungen erfasst; zu den erhobenen Schmerzwerten selbst werden im verfügbaren Abstract keine gesonderten Zahlen genannt.
Untere Injektionsstelle und Kombination mit Platysma im Vorteil
Beide untersuchten Injektionsstellen am DAO-Muskel führten über alle Nachuntersuchungszeitpunkte hinweg zu einer Verbesserung der Mundwinkelposition. Die Injektion im unteren Bereich des Muskels zeigte dabei jedoch einen stärkeren Effekt als die Injektion im oberen Bereich. Wurde zusätzlich zur unteren DAO-Injektion auch der Platysma-Muskel mitbehandelt, verbesserte sich die seitliche Mundwinkelposition nach einem Monat und die diagonale Position nach sechs Monaten noch weiter gegenüber der alleinigen DAO-Behandlung. Die Zufriedenheit der Teilnehmenden war in der Gruppe mit kombinierter DAO- und Platysma-Injektion statistisch signifikant höher als bei alleiniger DAO-Behandlung. Unterschiede in der Lippen-Symmetrie zwischen den Gruppen blieben durchgehend unter einem Millimeter und damit klinisch kaum wahrnehmbar. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in der gesamten Studie nicht auf.
Einordnung
Die Studie liefert im Vergleich zu vielen anderen Arbeiten zu injizierbaren ästhetischen Behandlungen eine vergleichsweise belastbare Evidenzgrundlage, da ihr erster Teil randomisiert und doppelt verblindet angelegt war und mit dreidimensionaler Fotogrammetrie eine objektive Messmethode verwendete. Einschränkend ist zu nennen, dass es sich um eine Untersuchung an einem einzelnen Zentrum handelt und der zweite Studienteil zur Platysma-Injektion nicht randomisiert durchgeführt wurde, was die Vergleichbarkeit der Gruppen einschränkt. Die im Abstract verfügbaren Angaben nennen zudem keine genaue Teilnehmerzahl, sodass sich die statistische Aussagekraft nicht abschließend beurteilen lässt. Für die Einordnung bedeutet das: Die Daten sprechen dafür, dass die Wahl der Injektionsstelle am DAO-Muskel einen messbaren Unterschied für das Ergebnis einer Mundwinkelanhebung mit Botulinumtoxin machen kann und dass eine zusätzliche Behandlung des Platysma-Muskels das Ergebnis in bestimmten Aspekten weiter verbessern kann, bei insgesamt niedriger Nebenwirkungsrate. Ob sich diese Effekte auch an anderen Zentren, bei größeren Patientengruppen und über einen längeren Zeitraum als sechs Monate bestätigen, bleibt durch weitere Studien zu klären.
Verwendete Fachpublikationen
Grundlage dieses Beitrags sind die folgende Publikation (Originalsprachen: Englisch).
Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.