Komplikationen nach Botulinumtoxin- und Filler-Behandlungen im Gesicht
Zwei aktuelle Fallserien zeigen seltene, aber schwere Komplikationen nach ästhetischen Injektionsbehandlungen mit Botulinumtoxin und Fillermaterialien.
Schwere Botulismus-Fälle nach kosmetischen Injektionen
Botulinumtoxin wird häufig zur vorübergehenden Glättung von Falten sowie in anderen ästhetischen Anwendungen wie Waden- oder Kieferkonturierung eingesetzt. Eine retrospektive Auswertung aus dem Zeitraum April 2024 bis September 2025 beschreibt 15 Patientinnen und Patienten, 14 Frauen im Durchschnittsalter von 36 Jahren, die nach einer kosmetischen Botulinumtoxin-Injektion einen schweren, sogenannten iatrogenen, also durch die Behandlung verursachten, Botulismus entwickelten und deshalb künstlich beatmet werden mussten. Bei zwölf der 15 Personen war das Gesicht die Injektionsstelle, meist zur Faltenreduktion; bei sieben Personen (47 Prozent) wurde ein nicht zugelassenes Präparat oder eines unbekannter Herkunft verwendet, bei sechs Personen (40 Prozent) erfolgte die Behandlung in nicht autorisierten Einrichtungen. Alle Betroffenen zeigten Symptome wie herabhängende Augenlider, Sprech- und Schluckstörungen, Gliederschwäche und Bauchauftreibung. Die künstliche Beatmung dauerte im Schnitt rund 330 Stunden, sieben Personen benötigten einen Luftröhrenschnitt. Die Behandlung erfolgte unter anderem mit Botulismus-Antitoxin.
Fremdkörperreaktionen nach mehreren Filler-Materialien
Ein zweiter Fallbericht beschreibt eine 36-jährige Frau, bei der mehr als ein Jahr nach aufeinanderfolgenden Injektionen von drei unterschiedlichen sogenannten biostimulatorischen Fillermaterialien, Polyvinylalkohol, Poly-L-Milchsäure und Polycaprolacton, in verschiedenen Gesichtsregionen therapieresistente, schmerzhafte Knoten mit Rötung und Schwellung auftraten. Diese sprachen weder auf Kortisoninjektionen noch auf Absaugen an. Erst eine bildgebungsgestützte chirurgische Entfernung unter Zuhilfenahme von hochauflösendem Ultraschall und Magnetresonanztomografie zur genauen Lokalisation brachte Besserung. Die feingewebliche Untersuchung zeigte Reste des Fillermaterials, umgeben von Fremdkörperriesenzellen und einer ausgeprägten entzündlich-vernarbenden Gewebereaktion. Die Autor:innen diskutieren die Möglichkeit, dass die wiederholte Exposition gegenüber unterschiedlichen Fillermaterialien zu einer verstärkten Entzündungsreaktion beitragen könnte, betonen aber ausdrücklich, dass dies bislang eine Hypothese ist und durch die vorliegenden Daten nicht bewiesen wird.
Einordnung
Beide Berichte beruhen auf kleinen Fallzahlen beziehungsweise einem Einzelfall und lassen daher keine Aussage über die Häufigkeit solcher Komplikationen im Verhältnis zur großen Zahl unauffällig verlaufender Behandlungen zu. Sie zeigen aber, dass injizierbare ästhetische Verfahren, auch wenn sie im klinischen Alltag überwiegend gut vertragen werden, im Einzelfall zu schweren oder langwierigen Komplikationen führen können, insbesondere wenn nicht zugelassene Präparate oder mehrere unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse unterstreichen den Stellenwert einer sorgfältigen Herkunfts- und Qualitätssicherung der verwendeten Präparate sowie einer strukturierten Nachbeobachtung nach solchen Eingriffen.
Verwendete Fachpublikationen
Grundlage dieses Beitrags sind die folgenden 2 Publikationen (Originalsprachen: Englisch).
- Yang P, Du Y, He S et al: Iatrogenic botulism induced by cosmetic injection requiring mechanical ventilation: clinical characteristics and outcomes. Clin Toxicol (Phila) 2026. Englisch
- Wang H, Lo C, Wang Z et al: Refractory craniofacial soft-tissue foreign-body granulomas after sequential multi-material filler injections: Imaging-based surgical management and filler-associated clinicopathologic analysis. J Craniomaxillofac Surg 2026. Englisch
Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.