Brustchirurgie

Pyoderma gangraenosum als seltene Komplikation nach Brust-OP

Zwei Fallberichte beschreiben eine seltene, nicht-infektiöse Entzündungsreaktion der Haut nach Brustoperationen, die eine bakterielle Wundinfektion vortäuschen kann.

Pyoderma gangraenosum ist eine seltene entzündliche Hauterkrankung, bei der es ohne bakterielle Ursache zu schmerzhaften Geschwüren der Haut kommt. Die Erkrankung wird durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems ausgelöst, bei der weiße Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) die Haut angreifen. Sie kann unter anderem im Zusammenhang mit Operationen auftreten und wird dann als postoperatives Pyoderma gangraenosum bezeichnet. Zwei aktuelle Fallberichte beschreiben das Auftreten dieser Erkrankung im Zusammenhang mit Eingriffen an der Brust und verdeutlichen, wie schwierig die Abgrenzung von einer echten Wundinfektion sein kann.

Verwechslungsgefahr mit einer Wundinfektion

Im ersten Fallbericht entwickelte eine 41-jährige Frau mit krankhaftem Übergewicht, 14 Jahre nach einer Brustverkleinerung sowie mit einer angeborenen Immunschwäche und einer Autoimmunerkrankung des Blutes, spontan ein entzündliches Geschwür der linken Brust. Der Zustand verschlechterte sich rasch bis zum septischen Schock, sodass zunächst eine bakterielle, gewebezerstörende Weichteilinfektion vermutet wurde. Erst nach mehreren chirurgischen Wundreinigungen, einer breit wirksamen Antibiotikatherapie und einer feingeweblichen Untersuchung einer Gewebeprobe konnte die Diagnose Pyoderma gangraenosum gestellt werden; die Brust wurde in der Folge mit einer Hauttransplantation rekonstruiert. Im zweiten Fallbericht entwickelte eine 18-jährige Frau mit einer gut eingestellten, seit Geburt bestehenden HIV-Infektion nach einer beidseitigen Brustverkleinerung ab dem zweiten Tag nach der Operation Fieber und Blasenbildung im Bereich der Operationsnarbe, gefolgt von einer Geschwürbildung. Auch hier bestätigte erst eine Gewebeprobe die Diagnose. Die Behandlung erfolgte fachübergreifend durch Hautärztinnen und -ärzte, Infektiologie und plastische Chirurgie mittels immunsystemunterdrückender Medikamente (Kortison und Immunmodulatoren); nach acht Monaten war die Wunde vollständig verheilt.

Rekonstruktion nach Ausheilung möglich

In beiden Fällen konnte nach vollständigem Abklingen der Entzündung ein weiterer rekonstruktiver Eingriff zur Korrektur der entstandenen Narben und Konturunregelmäßigkeiten durchgeführt werden, ohne dass die Erkrankung erneut auftrat. Im zweiten Fall wurde zuvor mittels eines sogenannten Pathergie-Tests, der eine überschießende Hautreaktion auf kleine Verletzungen prüft, ein negatives Ergebnis bestätigt, bevor eine Korrekturoperation mit Bruststraffung und Eigenfetttransplantation unter fortgeführter immunmodulierender Therapie erfolgte.

Die beiden Berichte verdeutlichen, dass ein nach einer Brustoperation auftretendes, auf Antibiotika nicht ansprechendes Wundgeschehen nicht zwangsläufig auf eine Infektion zurückgehen muss und eine Gewebeprobe wesentlich zur Diagnosesicherung beitragen kann. Da es sich in beiden Fällen um einzelne Fallberichte handelt, lassen sich daraus keine Angaben zur Häufigkeit der Erkrankung oder zu allgemeingültigen Behandlungsempfehlungen ableiten; die Aussagekraft von Einzelfallbeschreibungen ist grundsätzlich begrenzt.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.

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