Brustchirurgie

Ungewollte Fettinjektion in Brustimplantate als seltene Komplikation

Ein Fallbericht und eine Literaturübersicht zeigen, dass die Injektionskanüle beim Eigenfetttransfer in die Brust selten, aber offenbar unterschätzt, das darunterliegende Implantat verletzen kann.

Fettransfer als Ergänzung beim Brustaufbau

Beim Eigenfetttransfer, auch Lipofilling oder Fettgrafting genannt, wird körpereigenes Fettgewebe – meist aus Bauch, Hüfte oder Oberschenkel – durch Absaugung gewonnen, aufbereitet und anschließend über eine feine Hohlnadel, eine sogenannte Kanüle, in die Brust eingebracht. Das Verfahren wird häufig ergänzend zu einem implantatbasierten Brustaufbau eingesetzt, um die Kontur zu glätten und die Weichteildecke über dem Implantat zu verbessern. Eine dabei entstehende Verletzung des darunterliegenden Implantats durch die Kanüle gilt bisher als seltenes Ereignis und wurde in der Fachliteratur bislang kaum systematisch untersucht.

Was die bisher veröffentlichten Fälle zeigen

Eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Annals of Plastic Surgery hat gezielt nach Publikationen gesucht, die eine Implantatpunktion oder einen Implantatriss im Zusammenhang mit einem Fetttransfer beschreiben. Die Autor:innen fanden vier veröffentlichte Einzelfallberichte sowie einen weiteren Fall, der im Rahmen einer retrospektiven Auswertung von Fettransfer-Patientinnen erwähnt wird. In all diesen Fällen hatte die Injektionskanüle das Implantat durchstochen, sodass sich Fettgewebe im Implantatinneren ablagerte. Die daraus entstandenen Beschwerden waren unterschiedlich ausgeprägt: Beschrieben wurden Schmerzen, eine Kapselfibrose – eine narbige Verhärtung des Gewebes, das sich normalerweise als dünne Kapsel um jedes Implantat bildet –, eine sichtbare Veränderung der Brustform sowie Infektionen. In größeren Fallserien zu Fettransfer-Eingriffen wird übereinstimmend von einer niedrigen, aber nachweisbar von null verschiedenen Rate an Implantatverletzungen berichtet. Die zeitliche Spanne zwischen Fetttransfer und dem Auftreten erster Beschwerden variierte zwischen den beschriebenen Fällen deutlich, was die Diagnose zusätzlich erschwert.

Ein eigener Fallbericht mit langer Latenzzeit

Ergänzend beschreiben die Autor:innen einen eigenen, an ihrer Einrichtung behandelten Fall. Bei einer zuvor bestrahlten Brust trat 18 Monate nach einem Fetttransfer eine verzögert auftretende Infektion auf. Bei der anschließend notwendigen operativen Entfernung des Implantats, der sogenannten Explantation, zeigten sich mehrere Einstichstellen im Implantat sowie eingelagertes Fettgewebe im Implantatinneren. Freies Silikon außerhalb des Implantats wurde dabei nicht gefunden. Dieser Fall zeigt, dass zwischen dem ursprünglichen Eingriff und dem Auftreten erster Symptome ein langer Zeitraum liegen kann, was die Zuordnung der Beschwerden zur vorangegangenen Behandlung erschwert.

Warum die Komplikation vermutlich unterschätzt wird

Die Autor:innen der Übersichtsarbeit vertreten die Einschätzung, dass implantatbezogene Verletzungen durch die Injektionskanüle beim Fetttransfer in der Praxis wahrscheinlich häufiger vorkommen, als es die bislang veröffentlichten Fallzahlen nahelegen. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass sich die Komplikation sehr unterschiedlich äußert und in bildgebenden Untersuchungen wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie nur eingeschränkt zu erkennen ist. Die Autor:innen betonen deshalb, dass ein Bewusstsein für dieses Risiko sowie die Einhaltung schützender Injektionstechniken wichtig sind, um die Gefahr einer Implantatverletzung zu minimieren.

Die vorliegende Evidenz zu diesem Thema ist begrenzt: Sie stützt sich im Wesentlichen auf einzelne Fallberichte und einen zusätzlichen Fall aus einer kleineren Fallserie, ergänzt durch Häufigkeitsangaben aus größeren Studien, die ursprünglich nicht auf diese spezielle Fragestellung ausgerichtet waren. Belastbare Zahlen zur tatsächlichen Häufigkeit der Implantatverletzung beim Fetttransfer liegen bislang nicht vor, und randomisierte oder vergleichende Studien zu diesem Thema fehlen. Für die Einordnung bedeutet das vor allem, dass bei einer Kombination aus Implantat und Eigenfetttransfer eine sorgfältige, gewebeschonende Injektionstechnik relevant erscheint und dass ungewöhnliche Beschwerden nach einem solchen Eingriff – auch mit deutlichem zeitlichem Abstand – fachärztlich abgeklärt werden können. Wie hoch das tatsächliche Risiko im Einzelfall ist, lässt sich anhand der aktuellen Datenlage jedoch nicht beziffern.

Verwendete Fachpublikationen

Grundlage dieses Beitrags sind die folgende Publikation (Originalsprachen: Englisch).

  1. Smearman E, Issa-Boube M, Carlson GW: Unintentional Intra-Implant Fat Injection During Breast Fat Grafting: A Case Report and Focused Review of the Literature. Ann Plast Surg 2026. Englisch

Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.

Persönliche Beratung vereinbaren

← Zurück zur News-Übersicht

WhatsApp Anrufen