Ein Lipödem ist nach der deutschsprachigen S2k-Leitlinie eine schmerzhafte, disproportionale und symmetrische Fettverteilungsstörung der Extremitäten, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Hände und Füße sind typischerweise ausgespart. Eine proportionale Gewichtszunahme des ganzen Körpers ist kein Lipödem. Schmerzlose symmetrische disproportionale Fettverteilung wird als Lipohypertrophie bezeichnet und fällt nach dieser Leitliniendefinition nicht unter das Lipödem.
Es gibt keinen einzelnen Bluttest, Ultraschallbefund oder Gentest, der ein Lipödem sicher beweist. Die Diagnose ist klinisch: Beschwerden, Verteilungsmuster, Untersuchung und Ausschluss anderer Ursachen werden zusammen beurteilt. Stadium I, II und III beschreiben vor allem sichtbare und tastbare Gewebemorphologie. Sie messen nicht zuverlässig Schmerzstärke, Alltagsbeeinträchtigung oder Behandlungsbedarf. Ein Mensch im Stadium I kann starke Schmerzen haben; ein ausgeprägtes Stadium III kann relativ wenig schmerzen.
Kompression, angepasste Bewegung, Physiotherapie, Hautpflege, Schmerz- und Gewichtsmanagement können Beschwerden lindern. Sie „pressen“ krankhaftes Fett nicht weg und heilen die Erkrankung nicht. Manuelle Lymphdrainage ist nicht automatisch für jede Betroffene nötig; sie ist besonders relevant, wenn zusätzlich ein Ödem anderer Ursache besteht oder eine individuell festgestellte symptomatische Wirkung vorliegt.
Liposuktion entfernt einen Teil des Unterhautfettgewebes und zielt beim Lipödem auf Schmerzlinderung und bessere Beweglichkeit, nicht auf kosmetische Perfektion oder allgemeine Gewichtsabnahme. Im September 2026 erschien die erste große multizentrische randomisierte Studie, LIPLEG: 68 Prozent der zur Liposuktion zugeteilten Frauen erreichten nach zwölf Monaten eine klinisch relevante Verringerung des Beinschmerzes um mindestens zwei Punkte, gegenüber 8 Prozent unter fortgesetzter konservativer Therapie. Unerwünschte Ereignisse waren zugleich häufiger; ernsthafte Ereignisse wurden bei 7,5 gegenüber 3,4 Prozent berichtet. Die 36-Monats-Nachbeobachtung ist noch nicht abgeschlossen, weshalb Langzeitdauer und Wiederholungseingriffe weiter untersucht werden.
Für die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gelten 2026 definierte Mindestanforderungen für alle Lipödemstadien. Unter anderem müssen typische symmetrische Fettvermehrung der Extremitäten, Aussparung von Händen und Füßen sowie Druck- oder Berührungsschmerz dokumentiert sein. In den sechs Monaten vor der Indikationsstellung muss eine ärztlich verordnete konservative Therapie kontinuierlich erfolgt sein, ohne die Beschwerden ausreichend zu lindern; außerdem darf in diesen sechs Monaten keine Gewichtszunahme stattgefunden haben. Bei BMI über 35 kg/m² ist die Liposuktion nach der G-BA-Richtlinie unzulässig. Für BMI 32 bis 35 gelten zusätzlich altersabhängige Waist-to-Height-Ratio-Grenzen. Diagnose und Operationsindikation müssen durch unterschiedliche qualifizierte Ärztinnen oder Ärzte erfolgen.
