Brustchirurgie

Risikofaktoren und Technikvergleiche in der Brustchirurgie

Mehrere aktuelle Studien vergleichen OP-Techniken bei Brustaufbau und -verkleinerung und untersuchen, welche Faktoren das Risiko für Komplikationen nach Brustoperationen erhöhen.

Zugangsweg bei der Brustvergrößerung: ähnliche Sicherheit, unterschiedliche Nachkorrekturrate

Eine prospektive Studie im Fachjournal Plastic and Reconstructive Surgery verglich bei 95 Personen im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Brustvergrößerung (assigned male at birth) zwei gängige Operationszugänge: den periareolären Schnitt am Warzenhof (55 Personen) und den submammären Schnitt in der Brustumschlagfalte (40 Personen). Eingeschlossen wurden Erwachsene mit einem Body-Mass-Index unter 30, die seit mindestens zwölf Monaten eine Hormontherapie erhielten. Die Wahl des Zugangs erfolgte nach ausführlicher Aufklärung durch die Patientinnen selbst. Die Gesamtkomplikationsrate lag bei 3,7 Prozent und unterschied sich zwischen den Gruppen nicht wesentlich. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch bei der Häufigkeit späterer ästhetischer Nachkorrekturen: Nach submammärem Zugang waren diese mit 28,6 Prozent deutlich häufiger nötig als nach periareolärem Zugang mit 7,5 Prozent. Die mittels BREAST-Q-Fragebogen erhobene Patientenzufriedenheit war in beiden Gruppen hoch und unterschied sich nicht signifikant. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass beide Zugangswege bei sorgfältiger Patientenauswahl sichere und zufriedenstellende Ergebnisse liefern, der submammäre Zugang in dieser Kohorte aber häufiger zu einer weiteren Operation führte.

Risikofaktoren nach Brustrekonstruktion: Nikotin, Chemotherapie und Laborwerte

Mehrere Arbeiten befassten sich mit Faktoren, die das Komplikationsrisiko nach Brustrekonstruktion erhöhen. Eine retrospektive Kohortenstudie auf Basis des internationalen TriNetX-Datennetzwerks wertete Daten von 87.774 Personen nach Brustrekonstruktion aus. Nach Abgleich vergleichbarer Ausgangsmerkmale (Propensity-Score-Matching an je 2.170 Personen pro Gruppe) zeigte sich, dass eine dokumentierte Abhängigkeit von nikotinhaltigen Produkten ohne Tabak – etwa E-Zigaretten oder Nikotinbeutel – innerhalb eines Jahres vor der Operation mit einem signifikant erhöhten Risiko für Wundinfektionen und Wundaufbrüche innerhalb von 30 Tagen einherging. Nach 90 Tagen zeigten sich zusätzlich vermehrt Wundinfektionen, Wundaufbrüche und die Entfernung von Gewebeexpandern. Dieser Zusammenhang bestand unabhängig davon, ob die Rekonstruktion mit Eigengewebe oder Implantat erfolgte, was darauf hindeutet, dass nicht nur klassischer Tabakkonsum, sondern auch nikotinhaltige Alternativprodukte für die Wundheilung relevant sein könnten.

Eine weitere retrospektive Untersuchung an 299 Personen mit sofortiger Brustrekonstruktion, darunter 47 mit vorangegangener neoadjuvanter Chemotherapie, fand einen Zusammenhang zwischen chemotherapiebedingten Nebenwirkungen und dem Komplikationsrisiko. Sowohl die Chemotherapie selbst als auch Rauchen waren mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden, wobei die Chemotherapie besonders stark mit größeren Wundkomplikationen assoziiert war. Personen mit Blutbildveränderungen während der Chemotherapie oder einem erniedrigten Albuminwert im Blut vor der Operation hatten ein deutlich höheres Risiko für solche größeren Wundprobleme, während kleinere Komplikationen wie Blutergüsse oder Serome (Flüssigkeitsansammlungen) davon nicht betroffen waren. Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, den körperlichen Zustand vor der Operation – etwa über Laborwerte – stärker in die individuelle OP-Planung einzubeziehen.

Ergänzend beschreibt ein Fallbericht eine beidseitige DIEP-Lappenrekonstruktion (Brustaufbau mit Eigengewebe vom Unterbauch), die intraoperativ nach vollständiger Präparation beider Lappen aus unvorhergesehenen Gründen abgebrochen und erst zehn Wochen später erfolgreich fertiggestellt wurde. Die Autorinnen und Autoren berichten, dass die durch die verzögerte Übertragung entstandene Narbenbildung rund um den Gefäßstiel die spätere Präparation erleichterte, gleichzeitig aber wegen der weniger flexiblen Gefäße besondere Sorgfalt bei der Einbettung des Lappens nötig war. Als Einzelfallbeschreibung erlaubt diese Beobachtung keine allgemeinen Schlussfolgerungen, zeigt aber eine mögliche Option, wenn eine geplante Rekonstruktion unterbrochen werden muss.

Patientenzufriedenheit im Vergleich: Operationsverfahren und Lebensqualität

Wie sich unterschiedliche Operationsverfahren auf die längerfristige Lebensqualität auswirken, untersuchte eine prospektive multizentrische Studie an 480 Personen mit Brustkrebs, die zwischen 2016 und 2019 entweder brusterhaltend operiert (385 Personen) oder mastektomiert wurden (95 Personen). Mittels BREAST-Q- und RAND-36-Fragebogen vor der Operation sowie ein und zwei Jahre danach zeigte sich, dass die Zufriedenheit mit dem Aussehen der Brust nach brusterhaltender Operation kontinuierlich anstieg (von 62,2 auf 73,2 Punkte nach zwei Jahren), während sie nach Mastektomie nur im ersten Jahr zunahm und danach stagnierte. Auch das körperliche Wohlbefinden verbesserte sich nach brusterhaltender Operation zwischen dem ersten und zweiten Jahr weiter, während es nach Mastektomie stabil blieb. In allen anderen Bereichen – etwa psychisches und sexuelles Wohlbefinden – unterschieden sich die beiden Gruppen nicht wesentlich. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die allgemeine Lebensqualität nach beiden Verfahren weitgehend vergleichbar war und die Wahl des Verfahrens von mehreren Faktoren abhängen sollte.

Auch der Zugangsweg bei der operativen Entfernung gutartiger Brusttumoren wurde untersucht: Eine retrospektive Studie an 68 Personen verglich eine robotergestützte Entfernung über einen Achselschnitt mit ultraschall- und indocyaningrün-gestützter Markierung (30 Personen) mit einer konventionellen offenen Operation über der Brust (38 Personen). Die robotergestützte Operation dauerte im Schnitt deutlich länger (96 gegenüber 42,5 Minuten), unterschied sich aber nicht in der Komplikationsrate. Die Zufriedenheit mit der Wunde, der Narbe und dem Gesamtbild der Brust war nach robotergestützter Operation in allen drei Kategorien signifikant höher als nach offener Operation.

Einordnung

Die vorgestellten Arbeiten stammen überwiegend aus retrospektiven Kohorten oder einzelnen prospektiven Studien mit Fallzahlen zwischen rund 70 und knapp 88.000 Personen; nur eine Arbeit ist ein Einzelfallbericht ohne verallgemeinerbaren Aussagewert. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild davon, wie unterschiedlich Technikwahl, Vorerkrankungen und Lebensstilfaktoren die Ergebnisse nach Brustoperationen beeinflussen können. Wichtige Einschränkungen bleiben bestehen: Die meisten Daten sind retrospektiv erhoben, die Nachbeobachtungszeiträume variieren stark, und insbesondere die TriNetX-Registerdaten beruhen auf Dokumentationskodes, deren Genauigkeit nicht unabhängig überprüft werden konnte. Randomisierte Vergleichsstudien zu den meisten dieser Fragestellungen fehlen bislang.

Hinweis: Dieser Beitrag fasst veröffentlichte Studienergebnisse zusammen und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung. Ob und wie Erkenntnisse aus Studien auf Ihre persönliche Situation zutreffen, lässt sich nur im individuellen Gespräch klären.

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