126Das erste Gespräch
Das Gesicht wird in Ruhe und Bewegung, frontal, schräg und seitlich beurteilt. Haare werden angehoben, Hals und Kinn getastet. Die Person beschreibt konkrete Störungen ohne sich in Techniknamen festzulegen.
Eine reine Videoberatung reicht für den endgültigen Operationsplan häufig nicht.
127Standardisierte Fotos
Fotos dokumentieren Asymmetrie, Haut, Haarlinie und Halswinkel. Licht, Abstand, Brennweite und Kopfposition müssen vergleichbar sein. Handy-Weitwinkel verzerrt Nase und Gesichtsrand.
Bilder sind Gesundheitsdaten und benötigen getrennte Einwilligung für Werbung.
128Mimikprüfung
Stirnrunzeln, Lächeln, Augen- und Lippenschluss zeigen Nervenfunktion und Muskelasymmetrie. Vorbestehende Schwäche wird dokumentiert. Aktives Botulinumtoxin kann Befunde maskieren.
Ein später schiefer Mund ist sonst vorschnell der Operation zugeschrieben oder fälschlich verharmlost.
129Hautanalyse
Dicke, Elastizität, Sonnenschaden, Narbenneigung und Durchblutung beeinflussen Schnitt und Kombination. Dünne Haut zeigt Unregelmäßigkeiten, dicke Haut kann länger schwellen.
Resurfacing wird getrennt von Gewebehebung geplant.
130Halsanalyse
Im Sitzen und Liegen werden Haut, oberflächliches Fett, Platysma, Drüsen, Muskeln, Kinnprojektion und Zungenbeinlage beurteilt. Anspannung zeigt dynamische Bänder.
Ein Foto mit vorgeschobenem Kinn darf nicht als realistisches Ergebnis verkauft werden.
131Haarlinienanalyse
Schläfenhaare, Koteletten, Nackenhaar, Glatze und bevorzugte Frisur bestimmen Narbenlage. Bei Männern kann Bart-Haut verschoben werden. Frühere Schnitte werden markiert.
Eine schöne Jawline mit auffällig verlegter Haarlinie ist kein gutes Gesamtergebnis.
132Medizinische Anamnese
Erfragt werden Erkrankungen, Operationen, Narkosen, Allergien, Blutung, Thrombose, Medikamente, Substanzen, Nikotin, Schlafapnoe und psychische Gesundheit. Auch Nahrungsergänzung zählt.
Information dient Risikoplanung, nicht moralischer Bewertung.
133Medikamentenliste
Name, Dosis, Einnahmezeit und Grund jedes Mittels werden notiert. Besonders wichtig sind Antikoagulanzien, Thrombozytenhemmer, Blutdruckmittel, Hormone, Diabetesmedikamente, Steroide und Psychopharmaka.
Pausen werden schriftlich vorgegeben; „alles eine Woche weg“ ist gefährlich.
134GLP-1-Medikamente
Semaglutid, Tirzepatid und verwandte Mittel können die Magenentleerung beeinflussen. Aktuelle Narkoseempfehlungen berücksichtigen Präparat, Dosissteigerung, Magen-Darm-Symptome und Eingriffsart. Regeln ändern sich.
Nicht nach einem alten Internetplan pausieren, sondern aktuelle Anästhesieanweisung befolgen.
135Labor
Blutbild, Gerinnung, Elektrolyte, Nieren- oder Leberwerte werden risikobasiert angefordert. Mehr Tests bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Auffällige Vorgeschichte kann gezielte Diagnostik erfordern.
Ein Laborzettel ersetzt keine klinische Untersuchung.
136EKG und weitere Freigabe
Alter, Belastbarkeit und Vorerkrankung bestimmen EKG oder internistische Abklärung. Belastungstest und Herzultraschall sind nicht für jeden Routine. Die Anästhesie entscheidet, welche Informationen für das Verfahren nötig sind.
Kosmetischer Termin ist kein Grund, eine instabile Erkrankung zu übergehen.
137Blutdruckoptimierung
Heimmessungen können Weißkitteleffekt von dauerhaftem Hochdruck unterscheiden. Einnahmefehler und Wechselwirkungen werden korrigiert. Zielwerte sind individuell.
Die Operation wird nicht mit kurzfristig zusätzlicher Selbstmedikation „durchgedrückt“.
138Nikotinstopp
Viele Fachinformationen empfehlen mindestens etwa vier Wochen Rauchstopp vor dem Facelift; Teams können längere Zeit verlangen. Entscheidend ist vollständige und glaubhafte Abstinenz auch danach. Kohlenmonoxid und Nikotin haben unterschiedliche Effekte.
Entwöhnungshilfe wird früh begonnen, nicht am Vorabend.
139Alkohol- und Drogenplan
Freizeitdrogen, Stimulanzien und hoher Alkoholkonsum beeinflussen Blutdruck, Rhythmus und Narkose. Vertrauliche Angaben schützen vor Wechselwirkungen. Bei Abhängigkeit wird Entzug medizinisch geplant.
Eine akute Intoxikation oder ein unklarer Konsum kann den Eingriff stoppen.
140Herpesprophylaxe
Bei häufigem Lippenherpes und geplanten perioralen Hautbehandlungen kann antivirale Prophylaxe sinnvoll sein. Ein aktiver Ausbruch führt häufig zur Verschiebung. Das gilt besonders bei Laser oder tiefem Peeling.
Antivirale Mittel werden ärztlich dosiert, nicht nach Restbestand.
141Haare und färben
Haare müssen meist nicht rasiert werden. Färben, Bleichen oder Dauerwelle erfolgt gegebenenfalls vor der Operation, weil frische Narben Chemikalien schlecht vertragen. Zeitpunkt wird mit dem Team abgestimmt.
Haarspray und Produkte werden am OP-Tag weggelassen.
142Hautpflege vorher
Aggressive Retinoide, Säuren, Waxing oder Laser können die Haut reizen und werden rechtzeitig pausiert. Sanfte Reinigung, Feuchtigkeit und Sonnenschutz genügen. Neue „Wunderprodukte“ kurz vor dem Eingriff erhöhen Kontaktreaktionen.
Der konkrete Plan hängt von begleitendem Resurfacing ab.
143Kostenvoranschlag
Er enthält Operation, Narkose, Klinik, Übernachtung, Kompressionsbandage, Medikamente, Kontrollen, Material, Umsatzsteuer und Regeln für Revisionen. Zusatzverfahren werden einzeln aufgeführt.
Ein Basispreis ohne Hals, Narkose oder Nachsorge ist nicht vergleichbar.
144Informierte Einwilligung
Aufklärung umfasst Art, Umfang, Alternativen, typische Folgen, seltene schwere Risiken, Erfolgsaussicht und persönliche Faktoren. Ein Formular ist Gedächtnisstütze, nicht das Gespräch selbst.
Die Person darf bis zur Operation Fragen stellen und ihre Zustimmung widerrufen.
145Bedenkzeit
Elektive Gesichtsoperationen werden nicht unter Rabatt- oder Reisedruck entschieden. Österreich schreibt bei ästhetischen Operationen besondere Abläufe und mindestens zwei Wochen zwischen abgeschlossener Aufklärung und Einwilligung vor.
Auch in Deutschland braucht Aufklärung genügend Zeit für freie Entscheidung.
146Zweitmeinung
Sie ist besonders sinnvoll bei tiefer Halspräparation, Drüsenreduktion, mehreren Voroperationen, ungewöhnlicher Kombination oder widersprüchlichen Diagnosen. Beide Pläne werden anatomisch verglichen.
Eine Zweitmeinung muss eine eigene Begründung liefern, nicht nur den ersten Operateur kritisieren.
147Betreuung zu Hause
Eine erwachsene Person übernimmt Abholung, erste Nacht, Medikamente, Essen und Beobachtung. Kinder, Haustiere und Pflegeaufgaben werden organisiert. Alleinsein nach Sedierung oder Vollnarkose ist unsicher.
Die Betreuung kennt Warnzeichen und Notrufnummern.
148Arbeit und Termine
Mindestens zwei bis drei Wochen ohne wichtige öffentliche Termine sind oft sinnvoll; bei großer Kombination länger. Homeoffice beseitigt Schwellung, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme nicht.
Für rein ästhetische Eingriffe werden arbeitsrechtliche Fragen vorab geklärt.
149Schlafplatz
Der Oberkörper wird häufig erhöht gelagert. Kissen stabilisieren Rücken und Nacken, ohne den Hals stark abzuknicken. Alles Nötige liegt griffbereit.
Eine perfekte Spezialliege ist nicht erforderlich; sichere, bequeme Position zählt.
150Einkaufsliste
Leicht essbare Lebensmittel, Getränke, verschriebene Medikamente, saubere Kissenbezüge, Thermometer und Kontaktliste werden vorbereitet. Kühlung nur nach Anweisung und nie direkt auf Haut.
Unnötige Cremes, Massagegeräte und Nahrungsergänzung werden nicht spontan gekauft.
151Der Vorabend
Nüchternheitsregeln gelten exakt für feste Nahrung, klare Flüssigkeit und Medikamente. Schmuck, Make-up und Kontaktlinsen werden nach Klinikregel entfernt. Eine Dusche erfolgt wie angewiesen.
Bei Infekt, Fieber oder neuem Medikament wird die Klinik informiert, nicht verschwiegen.
152Am OP-Tag
Die Identität, Eingriff, Seiten, Allergien und Medikamente werden geprüft. Der Operateur markiert im Sitzen, bevor Beruhigungsmittel gegeben werden. Fragen sind weiterhin erlaubt.
Eine spontane große Planänderung nach Sedierung ist nicht Grundlage gültiger Zustimmung.
